Joerg Steve Mohr, Intendant des "theater am puls", sprach auf Einladung des CDU-Landtagsabgeordneten Andreas Sturm im Plenum des Landtags von Baden-Württemberg / Öffentliche Anhörung zum Thema „Kunst und Kultur in Zeiten nach Corona“

Stuttgart/Schwetzingen. Joerg Steve Mohr, der seit dem Jahr 2006 das „theater am puls“ in Schwetzingen erfolgreich leitet, hinterlässt auch auf der politischen Bühne einen glänzenden Eindruck: Am vergangenen Mittwoch (27. April) sprach der Schwetzinger Intendant, der unter anderem Theater- und Diplom-Sozialpädagoge ist, im Plenum des Landtags von Baden-Württemberg im Rahmen einer öffentlichen Anhörung des Ausschusses für Wissenschaft, Forschung und Kunst zu dem Thema „Kunst und Kultur in Zeiten nach Corona“.

Möglich gemacht hatte dies der Landtagsabgeordnete Andreas Sturm (CDU), der in seiner Funktion als Kulturpolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion Mohr dazu eingeladen hatte. Sturm: „Ich kenne das `theater am puls´ im Bassermannhaus und schätze die exzellente Arbeit, die Joerg Mohr mit seinem engagierten Team dort leistet. Mir ist es wichtig, dass man in Stuttgart nicht nur über diejenigen spricht, um die es geht, sondern mit ihnen. Nichts kann einen Bericht aus der täglichen Praxis ersetzen.“

Mohr machte zu Beginn seiner sechsminütigen Rede deutlich, dass er in einer Doppelfunktion auftrete, zum einen als Sprecher der Privat-Theater AG Baden-Württembergs, zum anderen als Intendant eines 90-Platz-Theaters in Schwetzingen.

„Bisher ist unser Theater dank der unterschiedlichsten Hilfen gut durch die Pandemie gekommen. Auch wenn alle Theater trotz Pandemie - dank der Hilfsprogramme - wirtschaftlich keine roten Zahlen zum Jahresende 2021 geschrieben haben, gibt es Anhaltspunkte dafür, dass die Auswirkungen der Pandemie noch lange nicht überwunden sind. So haben sich die Zuschauerzahlen bei weitem noch nicht wieder erholt. Die Auslastung liegt derzeit im Durchschnitt bei eher unter 50 Prozent, vor der Pandemie waren es 80 bis 100 Prozent“, so Mohr.

Und weiter: „Die Privattheater arbeiteten bereits vor der Pandemie am wirtschaftlichen und auch sozialen Limit. Schon bei unserer Umfrage 2019 war die Situation wirklich prekär. Bereits da haben wir festgestellt, dass 800.000 Euro fehlen, um das politisch angestrebte Ziel der 2:1-Förderung für alle institutionell vom Land geförderten Theater zu realisieren. 2014 war die letzte wirkliche Anpassung. Wenn nun also die Hilfsgelder auslaufen, die Auslastungszahlen sich aber nicht so schnell wieder erholen, stehen viele Privattheater vor existentiellen Schwierigkeiten."

Aus seiner Sicht sei es daher notwendig, wieder auf eine Festbetragsförderung statt eine Fehlbedarfsförderung zu setzen, damit Rücklagen gebildet werden könnten. Ferner sollte das selbst gesetzte politische Ziel einer 2:1-Förderung erreicht und die Hilfsprogramme bis Ende 2023 verlängert werden, bis die Auswirkungen der Pandemie überwunden und frühere Auslastungszahlen wieder erreicht seien.

Detailliert ging Mohr auch die Situation des "theaters am puls" in Schwetzingen ein: "Noch im letzten Jahr lag der Zuschuss seitens der Stadt Schwetzingen bei 131.000 Euro, das Theater können wir mietfrei nutzen.
Wir bekommen zwar ab 2022 noch nicht die benötigte 2:1-Förderung, die wir dringend auch ohne Pandemie bräuchten - das wären in unserem Fall 65.000 Euro Landesförderung -, aber dennoch bin ich natürlich sehr dankbar, dass wir dieses Jahr eine Erhöhung von 15.000 Euro auf 35.000 Euro erhalten haben."

Das Programm des Theaters umfasse rund 15 laufende Eigenproduktionen sowie Gastspiele, jährlich gebe es fünf bis sechs Premieren.

Mohr: "Wir haben kein festes Ensemble, sondern arbeiten mit unterschiedlichen Gästen aus ganz Deutschland und darüber hinaus. Neben dem Freundeskreis, der inzwischen über 200 Mitglieder hat, und uns außerhalb der Pandemie zwischen 15.000 und 20.000 Euro zukommen lässt, bleiben uns nur die Eintrittsgelder. Durch die Pandemie ist aber gerade diese Einnahmequelle sehr geschrumpft."

Die Abendgage von Künstlern belaufe sich auf 150 Euro, für sechs Wochen Proben auf 1500 Euro. Wohnungen bekämen die Künstler, wenn sie von außerhalb kämen gestellt: "Auch hier hilft uns die Stadt Schwetzingen."
Ziel sei es, den Künstler die empfohlene Mindestgage zahlen zu können, diese steige gerade von 200 Euro am Abend auf 300 Euro. Mit 150 Euro sind wir weit davon entfernt."

Weiter führt der Schwetzinger Theaterindendant aus: "Eine Besonderheit an unserem Theater ist sicherlich, dass die Stadt Schwetzingen mich als Theaterpädagogen fest seit mehr als 6 Jahren eingestellt hat, was bedeutet, dass ich kein Gehalt als Intendant vom Theater beziehen muss. Weiterhin bin ich im Auftrag der Stadt für die Schnittstelle Theater und Schule zuständig. Somit arbeitet das `theater am puls´ in enger Zusammenarbeit mit der Stadt Schwetzingen in allen Schwetzinger Schulen." Die Stadt Schwetzingen habe darüber hinaus weitere 20.000 Euro zu den 131.000 Euro bereitgestellt, um in den Klassen gezielt theaterpädagogisch präventiv als auch in der Intervention mit Kindern und Jugendlichen in den einzelnen Schulen zu arbeiten. Die enge Verzahnung zwischen Schule und Theater ermöglicht es recht früh, Kindern und Jugendlichen in Kontakt mit dem Theater zu bringen und hat sicherlich Modellcharakter."

Mohr abschließend: "Ich möchte nochmals darauf hinweisen, wie toll es eigentlich ist, in einer so reichhaltig kulturellen Landschaft wie Baden-Württemberg leben zu dürfen. Das Theater, für das ich hier sprechen darf, ist in all seinen Facetten wichtig für unsere kulturelle Bildung, für unser Miteinander. Theater ist sicherlich ein Ort, der nicht ins Digitale verschoben werden sollte, er ist ein Ort, der live und im Moment passiert. Es liegt auch mit an Ihnen, sehr geehrte Abgeordnete, dass diese vielfältige kulturelle Landschaft überlebt. Vielen Dank!" (Text/Fotos: Matthias Busse)

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