Andreas Sturm lädt Kultusministerin nach Oftersheim ein

Kurpfalzhalle: CDU-Landtagskandidat Andreas Sturm lädt Susanne Eisenmann zum Austausch ein / Schulleiter diskutieren mit

Kultusministerin über Bildung in Corona-Zeiten
„Miteinander von analog und digital“

Oftersheim. Einen Tag nach dem Schulgipfel mit Kanzlerin Angela Merkel, bei dem sich Bund und Länder auf eine engere Zusammenarbeit bei der Digitalisierung verständigt haben, kam die baden-württembergische Kultusministerin Dr. Susanne Eisenmann (CDU) nach Oftersheim. Auf Einladung des CDU-Landtagskandidaten Andreas Sturm diskutierte sie in der Kurpfalzhalle mit Schulleitern aus der Region und Bürgermeistern der Schulträger-Gemeinden. Die Ministerin habe keine Wohlfühlveranstaltung gewählt, forderte Sturm dazu auf, alle aktuellen Themen der Schulpolitik, auch im Zusammenhang mit der Corona-Krise, anzuschneiden.
Oftersheims Bürgermeister Jens Geiß begrüßte neben dem Bundestagsabgeordneten Olav Gutting und dem stellvertretenden CDU-Gemeindeverbandsvorsitzenden Tillmann Hettinger auch seine Amtskollegin Patricia Rebmann aus Eppelheim sowie die Rathaus-Chefs Jürgen Kappenstein aus Ketsch, Uwe Grempels aus Altlußheim und Dr. Ralf Göck aus Brühl.
Susanne Eisenmann wollte sich die sonst übliche Rede sparen und forderte die 30-köpfige Runde auf, etwaige Anregungen und Kritik gleich vorzubringen. Andreas Sturm startete mit der Elternfrage eines Siebtklässlers, wie die während der Corona-Krise entstandenen Defizite aufgearbeitet werden sollen. „Wir wissen, dass nicht alle Schüler gleich gut durch die Corona-Zeit gekommen sind“, antwortete die 55-jährige gebürtige Stuttgarterin. Die „Lernbrücken“ hätten den Schülern ermöglichen sollen, Unterrichtsstoff aufzuholen und Lerninhalte zu wiederholen. Das sei aber ein freiwilliges Angebot gewesen.

Abschlüsse vier Wochen später
Die letzten beiden Wochen der Sommerferien hätten aber nicht ausgereicht, dankte sie jedoch den Schulstandorten für die Organisation dieses Angebots. „Jetzt müssen wir uns wieder auf die verbindlichen Vorgaben in allen Fächern konzentrieren. Schulspezifische Angebote, die Lehrpläne ergänzen, sind nicht vorgesehen. Die Abschlüsse werden um vier Wochen nach hinten verschoben, um mehr Zeit zu gewinnen“, meinte Eisenmann.

Direktorin Heide-Rose Gönner von der Schwetzinger Carl-Theodor-Schule fragte, ob „Lernbrücken“ auch für die nächsten Ferien angeboten werden sollen. „Wir überlegen das, die Entscheidung ist aber noch nicht gefallen“, so Eisenmann. Die Rückmeldungen von den Schulen seien sehr positiv gewesen. Es müsse aber „vor Ort auch Sinn machen“.
Eine Forderung lautete „mehr Unterstützung durch das Kultusministerium“. Die versprochenen Unterrichtsmaterialien seien viel zu spät geliefert worden, so die Kritik. Eisenmann wusste warum: „Der Verlag kam nicht nach.“

Schulleiter Jürgen Wolf von der Theodor-Heuss-Realschule aus Hockenheim plädierte dafür, nach vorne zu schauen und eher zukunftsgerichtete offensive Ressourcen zu nutzen: „Mir geht es eher um Lernmanagement-Systeme.“
Eisenmann sah unterschiedliche, aber gut argumentierte Ratschläge. Sie ging kurz auf den Aufbau einer digitalen Bildungsplattform ein, mit der die Digitalisierung an den Schulen unterstützt und gestärkt werden soll. Das sei ein sehr komplexes Projekt, über das es derzeit eine „sehr muntere Diskussion“ gebe.

Auch das Thema Dienstlaptops für Lehrer fehlte nicht. Der Bund hat 500 Millionen Euro zur Verfügung gestellt, 65 Millionen Euro davon bekommt Baden-Württemberg. Die Landesregierung habe ja bereits die Bundesmittel für die Beschaffung von Laptops für Schüler auf 130 Millionen Euro verdoppelt, erklärte die ehemalige Schulbürgermeisterin der Landeshauptstadt Stuttgart. „Die Laptops für Lehrer sollen jetzt zügig kommen.“

Außerdem beantwortete sie die Frage nach der IT-Betreuung der Schule: „Fachleute kommen, wenn das Gerät nicht funktioniert.“ Das Land werde die Kommunen als Schulträger dabei unterstützen: „Finanzielle Mittel sind vorgesehen.“ Ständige Administratoren an den Schulen kann sie sich wegen der laufenden Personalkosten dagegen nicht vorstellen. Der Schwetzinger CDU-Stadtrat Markus Bürger sah das anders. Der Lehrer an der Ehrhart-Schott-Schule meinte, es sei doch kein Problem, neben einem Hausmeister noch einen IT-Fachmann einzustellen.

Keine Elternzwangsbeglückung
Die Diskussion drehte sich auch um die Schulkindbetreuung im Land. Statt der verpflichtenden Ganztagsschule wollten Eltern mehrheitlich flexible Angebote haben, meinte die Ministerin. Die CDU wolle neue flexible Betreuungsangebote finanzieren: „Aber keine Zwangsbeglückung von Eltern, die sollen die Entscheidung selbst treffen, wie das Kind betreut werden soll. Wir wollen die bestmögliche Förderung vor Ort.“
Rektor Falk Freise von der Schiller-Schule in Reilingen bestätigte für seine Ganztagsgrundschule: „Der Bedarf bei den Eltern für das Wahlformangebot ist da. Wir haben 70 AG im Angebot für die Schüler.“
Der Plankstadter CDU-Gemeinderat Dr. Felix Geisler kritisierte die Einrichtung der Gemeinschaftsschule als „rot-grünes Ideologieprojekt“. Die Ministerin will flächendeckend alle Schulformen im Land haben, „aber nicht vorschreiben, was besser oder schlechter ist. Die Vielfalt soll erhalten bleiben, das soll sich auch in der Förderung widerspiegeln“. Oftersheims Bürgermeister Jens Geiß bestätigte: „Auch wir leiden unter dem Wegfall der Realschule in Schwetzingen.“ Viele Schüler wanderten in andere Kommunen ab. Das bedeute vermehrt übervolle Schulbusse.
Die Runde streifte noch das Thema des sonderpädagogischen Förderbedarfs. Wenn Eltern nicht wollten, stehe man vor einem rechtlichen Problem, musste Eisenmann zugeben: „Da haben wir noch nicht wirklich eine Lösung.“

Alexa Schäfer, Rektorin der Theodor-Heuss-Schule in Oftersheim, ging auf die Digitalisierung bei Grundschülern ein. Für die Jüngeren sei die persönliche Ansprache durch die Lehrkraft wichtiger. „Buch durch Laptop zu ersetzen und Lesen durch Wischen ist keine pädagogische Lösung“, sagte Eisenmann: „Besser ist ein kluges Miteinander von analog und digital.“
Die versprochene Stärkung der Schulleitungen stellte die Ministerin in Aussicht. „Es gibt ein Schulleiterkonzept in zwei Stufen. Das umfasst eine höhere Besoldung für Rektoren im Grundschulbereich und zusätzliche Funktionsstellen wie stellvertretende Schulleiter.“
Für die mit der kalten Jahreszeit einhergehende Infizierungsgefahr mit Covid-19 in der Schule hatte die Kultusministerin auch noch einen Ratschlag parat: Zeitweises Stoßlüften der Klassenzimmer durch geöffnete Fenster dürfte wohl die beste Variante sein, darin seien sich Fachleute einig. Lüftungsgeräte allein würden hingegen das Problem der Ansteckung nicht lösen.

Aus der Schwetzinger Zeitung, 24.09.2020
Vielen Dank an Volker Widdrat für die Berichterstattung

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