Andreas Sturm MdL

"Unsere Demokratie muss jeden Tag geschützt, verteidigt und gelebt werden."

Prof. Carlo Masala sprach vor fast 400 Gästen in Hockenheim / Im Fokus: Iran, USA, China und Europas sowie Deutschlands Rolle in der neuen Weltordnung

Selten ist es in einer Aula so still gewesen: Fast 400 Bürgerinnen und Bürger waren am gestrigen Montagabend in die Aula des Carl-Friedrich-Gauß-Gymnasiums gekommen, um mit Prof. Carlo Masala einen der bekanntesten deutschen Sicherheitsexperten zu hören. Während seines Vortrags hätte man, wie der Landtagsabgeordnete Andreas Sturm (CDU), der Masala eingeladen hatte, sprichwörtlich eine Stecknadel fallen hören können.

Anja Kaiser, Prof. Carlo Masala und Andreas Sturm MdL (Foto: Busse).Anja Kaiser, Prof. Carlo Masala und Andreas Sturm MdL (Foto: Busse).

Schulleiterin Anja Kaiser begrüßte zunächst die zahlreichen Gäste und zeigte sich darüber erfreut, dass das Gauß-Gymnasium Gastgeber für eine Veranstaltung von solcher Aktualität sein dürfe. durfte. Kaiser betonte die Bedeutung politischer Bildung und offener Debatten gerade in einer Zeit, in der internationale Entwicklungen auch junge Menschen zunehmend beschäftigten. Anschließend begrüßte der Landtagsabgeordnete Andreas Sturm (CDU) die Gäste und stellte Prof. Carlo Masala vor, der als Politikwissenschaftler an der Universität der Bundeswehr München arbeitet und zu den profiliertesten deutschen Experten für internationale Sicherheitspolitik gehört.

Masala setzte sich über eine Stunde lang mit der globalen Sicherheitslage und -politik auseinander: „Wir erleben derzeit einen Kampf um eine neue Weltordnung.“ Autoritäre Staaten würden die liberale internationale Ordnung, "auch unsere Demokratie", infrage stellen. Es handle sich nicht um einzelne Krisen oder Brennpunkte, sondern um eine sogenannte "Polykrise", bei welcher mehrere Krisen gleichzeitig auftreten und sich verstärken.

Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine, Konflikte im Nahen Osten, geopolitische Rivalitäten zwischen den Großmächten, Migration, Klimawandel und wirtschaftliche Abhängigkeiten – all diese Entwicklungen stünden miteinander in Verbindung. „Die Welt ist komplexer geworden“, sagte Masala. Krisen ließen sich heute nicht mehr isoliert betrachten. Entscheidungen in einem Konflikt könnten unmittelbar Auswirkungen auf andere Regionen der Welt haben.

Besonders eindrücklich schilderte er dabei auch die Schattenseiten der Globalisierung. Europa habe enorm von offenen Märkten und internationalen Lieferketten profitiert. Gleichzeitig mache genau diese Vernetzung die Wirtschaft heute anfälliger für geopolitische Konflikte.

Ein weiterer wichtiger Punkt sei, dass sich die USA aus ihrer Rolle als Garant für sicherheitspolitische Stabilität des Westens nach und nach sehr spürbar zurückziehe. Masala: "Europa muss deshalb stärker bereit sein, Verantwortung für seine eigene Sicherheit zu übernehmen. Gerade auch für Deutschland bedeutet das eine tiefgreifende Veränderung. Das bisherige Erfolgsmodell – günstige Energie, offene Märkte und militärischer Schutz durch die USA – funktioniert in dieser Form nicht mehr." Die anderen europäischen 

Klare Worte zur Demokratie

Besonders eindringlich wurde Masala, als er über die Zukunft der Demokratie sprach. Demokratische Gesellschaften dürften ihre politischen Systeme nicht als selbstverständlich betrachten. Weltweit versuchten autoritäre Staaten zunehmend, Demokratien durch Desinformation, politische Einflussnahme und strategische Kommunikation zu destabilisieren.

Demokratie müsse daher aktiv verteidigt werden – politisch, gesellschaftlich und im täglichen Engagement der Bürgerinnen und Bürger.

Viele Menschen in Europa hätten über Jahrzehnte Stabilität, Frieden und wirtschaftlichen Wohlstand als selbstverständlich erlebt. Gerade deshalb sei es wichtig, sich wieder bewusst zu machen, dass demokratische Systeme nicht automatisch bestehen bleiben.



Viel Zeit für Fragen aus dem Publikum / Iran im Fokus

Nach seinem Vortrag stand Masala noch rund 45 Minuten lang für Fragen aus dem Publikum zur Verfügung. Die Diskussion zeigte, wie sehr die Themen die Menschen bewegen: über die Lage im Iran, von der Zukunft der NATO über die Rolle Chinas bis hin zur sicherheitspolitischen Verantwortung Europas.

Mit Blick auf den Iran sagte Masala: "Der Iran musste die Entscheidung zur Bombe nicht treffen. Er musste nur alles können, was man braucht, um eine Bombe zu bauen. Also hat es bisher gereicht, das zu sein, was  auch Deutschland bis in die 90er-Jahre war: virtuelle Nuklearmacht." (Text/Fotos: Matthias Busse)

Link zum Reel auf Instagram:

https://www.instagram.com/reel/DV_B5dtCDh-/?igsh=MXhtb2ZoZHQzMW1yeA==